Mit Marschmusik in den Krieg
Am Samstag, den 13.03.2010, findet in der Color Line Arena Hamburg die „Internationale Musikparade 2010 – Militär- und Blasmusik“ statt. Mehr als 400 SoldatInnen aus sieben Ländern werden bei diesem Großevent ihre „marschmusikalischen“ Fähigkeiten präsentieren. Für kriegführende Armeen sind Veranstaltungen solcher Art und das Auftreten in der Öffentlichkeit ein wichtiges Instrument.
Ein Instrument wofür?
Die deutsche Armee hat beispielsweise eine Vielzahl an unterschiedlichen Werbemaßnahmen entwickelt – z.B. Konzerte, Sportveranstaltungen und Adventure-Games, den „Girl’s Day“, durch den der Frauenanteil in der Bundeswehr erhöht werden soll, Rekrutierungsveranstaltungen an Schulen, sowie auf Messen, gebührenfreies Studium und ein hoher Sold als Anreiz für SoldatInnen. Zusätzlich wird auch die militärische Durchdringung von Forschung und Lehre an den Hochschulen, sowie die zivil-militärische Zusammenarbeit vorangetrieben. So übernimmt z.B. das private Unternehmen Deutsche Post/ DHL einen Teil der Kriegslogistik und transportiert für die Bundeswehr notwendiges Material – von der Feldpost bis zu mörderischen Rüstungsgütern. Zur Nachwuchsgewinnung will auch die Bundesregierung beitragen, die im Koalitionsvertrag die Einführung von einem „Maßnamenpaket zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr“ für das Jahr 2010 vorsieht.
Überdies will sich die Bundeswehr durch ihre Auftritte und Imagekampagnen im gesellschaftlichen Bewusstsein verankern und Sympathien in der Bevölkerung für die Kriegspolitik der Bundesregierung inklusive der Auslandseinsätze der Bundeswehr gewinnen. Militaristische Positionen dringen auf diese Weise zunehmend in alle Poren der Gesellschaft.
Welche Kriegspolitik denn?
Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts führt Deutschland wieder Krieg. Ursprünglich wurde die Bundeswehr ab 1955 zur Landesverteidigung aufgebaut, seit 1991 ist sie jedoch zu sogenannten „friedenserhaltenden und friedenssichernden Maßnahmen“ auf Mandat des Bundestages auch in Auslandseinsätzen tätig. Mit dem Kosovo-Krieg 1999 gab es erstmals wieder eine deutsche Armee im Angriff auf ein anderes Land.
Zurzeit setzt die Bundeswehr bei insgesamt elf Auslandseinsätzen Interessen der deutschen Wirtschaft und (Außen-)Politik mit Waffengewalt durch. Sie führt einen bedingungslosen Kampf zum Schutz und zur Intensivierung der kapitalistischen Produktion, Ausbeutung und Herrschaft. Sie lässt Zugänge zu den nicht westlichen nationalen Märkten und Rohstoffen notfalls mit Waffengewalt sichern, freien Handel durchsetzen und die wirtschaftliche Infrastruktur, wie z. B. Seewege, militärisch schützen.
Deutschlands Armee ist also heute wieder aktiv an Kriegen in aller Welt beteiligt! Sie ist infolge der umfassendsten Reform Zeit ihres Bestehens zu einer offensiven „Armee im Einsatz“ umgewandelt worden. Schon lange ist die deutsche Geschichte samt der damit verbundenen Menschheitsverbrechen kein Hindernis mehr für ein aggressives Auftreten Deutschlands auf dem internationalen Parkett. Kriege für die Interessen der Kapitalisten und die Macht der deutschen Politik sind zur blutigen Normalität geworden.
Deutschland ist jedoch nicht das einzige Land, welches immer militärischer internationale Politik betreibt. Vielmehr werden imperialistische Kriege gemeinsam mit anderen westlichen Mächten, wie den USA, im Rahmen der NATO geführt. Der „Krieg gegen den Terror“ und die „globale Sicherheit“ dienen als ideologischer Vorwand und die vermeintliche Verbreitung von Demokratie und „Zivilisation“, sowie Menschen- und Frauenrechten in der „Dritten Welt“, als Legitimation für eine Reihe von Kriegen im 21. Jahrhundert. Doch hat sich beispielsweise in Afghanistan seit Beginn des Krieges die Menschen- und Frauenrechtssituation erheblich verschlechtert. Fernab der Berichterstattung der Tagespresse wird in den strategischen Papieren von NATO, EU und BRD sogar offen ausgesprochen, dass wirtschaftliche Interessen das wirkliche Motiv der kriegführenden Parteien sind. Der Kapitalismus wird niemals Frieden bringen, sondern genau das Gegenteil: mehr und mehr Krieg! Denn die Konkurrenz um Wettbewerbsvorteile innerhalb der Wirtschaft spiegelt sich im Konkurrenzverhältnis zwischen den nationalen Wirtschaftszonen: den kapitalistischen Staaten.
Krieg ist ein zunehmend akzeptiertes Mittel der Außenpolitik geworden…
…und durch Veranstaltungen wie das heutige Militärmusikkonzert soll auch für breite Akzeptanz der kriegerischen Handlungen der kriegführenden Armeen in der Bevölkerung gesorgt werden. Das „Fest der Marschmusik“ verschleiert die mörderische Realität von Kriegen. In der Color Line Arena wird man nur SodatInnen sehen, die vergnügt musizieren. Doch SoldatInnen werden ausgebildet, um in den Krieg zu ziehen und auf Kommando zu töten. Diese Realität, die Verwundeten und Toten der Kriege und die Zerstörung der Lebensgrundlage vieler Menschen und der Natur wird dabei bewusst unter den Teppich gekehrt.
Wir stellen uns entschieden gegen die blutigen Kriege im Interesse des Kapitals und gegen die Verherrlichung der Bundeswehr durch Musikveranstaltungen!
Gegen Krieg und Kapitalismus!
Kommt zur Kundgebung gegen die Internationale Militärmusikparade
Samstag [13.03.10] 13 Uhr * S-Stellingen







